Hindenburg, selbstdeklarierter „Held“ der sogenannten Schlacht bei Tannenberg
Link zum Facebook-Post - wenn Ihnen der Artikel gefällt, freuen wir uns, wenn Sie den Post "liken"
|
Die militärische Karriere Hindenburgs war 1911 zuerst einmal beendet. Er wurde auch nicht wieder reaktiviert, als der 1. Weltkrieg ausbrach. Dann jedoch wollten der Kaiser und die Oberste Heeresleitung nach Rückschlägen gegen das russische Heer einen Schlachtplan von Erich Ludendorff ausführen lassen. Dieser besaß jedoch nicht den dafür notwendigen militärischen Rang. Daher besann sich die Oberste Heeresleitung auf Paul von Hindenburg und berief ihn als Pseudo-Führungsfigur. Als der Schlachtplan Ludendorffs gelang, ließ sich Hindenburg, der nichts beigetragen hatte, für den militärischen Erfolg feiern und benannte zudem den Schlachtort in Ostpreußen aus Propagandazwecken um. Paul von Hindenburg durchlief die klassische Offizierslaufbahn eines Adeligen und brachte es bis zum General der Infanterie. Das war es dann aber vorerst. Prof. Dr. Wolfram Pyta, der Verfasser des wissenschaftlichen Standardwerks zu Paul von Hindenburg[1], schreibt in seinem Buch „Hindenburg - Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler“ hierzu: „Mit dem 18. März 1911 schien Hindenburgs militärische Karriere damit definitiv an ihr Ende gelangt zu sein – eine mehr als respektable Laufbahn, die ihn bis weit an die Spitze der militärischen Hierarchie geführt hatte, aber zum Schluss die bittere Erkenntnis bereithielt, dass es bis ganz nach oben doch nicht gereicht hatte.“[2] und dokumentiert die Einschätzung der obersten Führung auf Basis einer eidesstattlichen Erklärung des Generals von Schellendorf: „Allem Anschein nach fehlte Hindenburg nach Einschätzung Lynckers[3] jene Tatkraft und Energie, über die ein Armeeinspekteur unter den neuen Bedingungen verfügen musste.“ [4] Hindenburg wurde im 1. Weltkrieg nicht reaktiviert Hindenburg scheidet 1911 aus dem Militärdienst aus: „Zunehmend legte sich ein Hauch von Bitterkeit über seinen Lebensabend … er empfand immer stärker den Stachel, dass ausgerechnet er zum Müßiggang verurteilt war, während gleichaltrige Generale weiterhin ihre Dienste entbieten durften.“[5] Noch schlimmer: Gleichaltrige behielten ihre militärischen Verwendungen und zogen in den Jahren nach 1911 karrieremäßig sogar an ihm vorbei. Bei Beginn des 1. Weltkriegs werden viele Offiziere und Generale reaktiviert, Hindenburg allerdings nicht – Kaiser und Oberste Heeresleitung hatten für ihn keine Verwendung! Nachdem die deutsche Kriegsplanung gleich in den ersten Wochen scheiterte und zaristische russische Armeen, die schnell mobilisiert wurden, auf deutsches Territorium vorgedrungen waren, wollte der deutsche Oberbefehlshaber zurückweichen. Daraufhin entschied die Oberste Heeresleitung (OHL), diesen abzuberufen und zu ersetzen. Hindenburg wird lediglich für repräsentative Funktion geholt Die OHL beauftrage Erich Ludendorff, einen Schlachtplan gegen die zaristische Armee zu erarbeiten. Ludendorff war jedoch nicht im Besitz eines Rangs, der ihm erlaubt hätte, eine Armee zu führen. Deswegen brauchte man jemanden, der sich mit einer repräsentativen Funktion zufriedengeben würde und Ludendorff nicht stört. Und da besann man sich auf Hindenburg als „kommandierenden General“. Dieser wurde nicht einmal in die militärische Situationsanalyse eingeweiht. Ludendorff fuhr nach Freigabe über Hannover zum Armeeoberkommando im Osten. Prof. Dr. Pyta im Filminterview am 24. Juli 2025 zur Situation: „In Hannover steigt Hindenburg in den Zug ein, wirft einen Blick auf den Kriegsplan und sagt: ‚Das wird alles seine Richtigkeit haben‘.“[6] Der durchaus riskante Schlachtplan für die Schlacht in Masuren gelingt: Bei der folgenden Einkesselungsschlacht in Masuren (Ostpreußen) fielen mehr als 30.000 russische Soldaten und 90.000 gerieten in Gefangenschaft. Hindenburg lässt Schlacht aus Propagandagründen umbenennen Prof. Dr. Pyta weiter: „Die Schlacht hat nicht bei Tannenberg stattgefunden, das ist noch 30, 40 Kilometer entfernt, liegt auch in Masuren, also im südwestlichen Teil von Ostpreußen. Aber dort, in Tannenberg selbst, hat 1410 der deutsche Orden eine vernichtende Niederlage gegen das vereinigte polnisch-litauische Heer erlitten. Und die Neuschlacht von Tannenberg ist gewissermaßen die Revanche. Damit wird ein Makel aus der preußisch-deutschen Geschichte abgewischt.“[7] Dazu Dr. Wolfgang Niess im Filminterview am 29. September 2025: „Er [Hindenburg, Anm. d. Verf.] schrieb dann an den Kaiser, er möge doch diese Schlacht bei Tannenberg nennen und hat dem Kaiser auch die Hintergründe erläutert, die der natürlich gar nicht kannte. Und dieser Vorschlag Hindenburgs ist dann bereitwillig aufgegriffen worden.“[8] Hindenburg hatte nichts mit dem Verlauf und dem Ausgang der Schlacht zu tun! De facto hatte Hindenburg nichts mit dem Verlauf und dem Ausgang der Schlacht zu tun, der militärische Erfolg war anderen zu verdanken. Dazu Dr. Niess weiter: „Er hat nie daran gedacht, diesen Ruhm mit anderen, die ihn wirklich verdient hätten, und da ist in erster Linie Max Hoffmann, der erste Offizier des Stabes zu nennen, und in zweiter Linie ist Ludendorff zu nennen, der Generalstabschef. Er hat nie daran gedacht, den Ruhm mit ihnen zu teilen, sondern hat sie auch in Äußerungen immer als seine Gehilfen bezeichnet. Ludendorff war den ganzen Krieg durch nur sein Gehilfe und hatte nie eine eigenständige Position, was die tatsächlichen Verhältnisse genau umgekehrt hat.“[9] Somit ließ sich Hindenburg sich nicht nur für einen militärischen Erfolg feiern, zu dem er nichts beigetragen hatte, sondern er gab der Schlacht auch noch einen Namen, der nicht den Tatsachen entsprach. Hindenburg offenbarte bereits bei seinem ersten Erscheinen auf der Weltbühne drei problematische Charaktereigenschaften, welche in seinem weiteren Handeln immer deutlicher zutage traten: 1. War die Wahrheit für ihn keine relevante Leitlinie für sein Handeln. Dies wurde bereits durch die rein propagandistisch motivierte „Verlegung“ der Schlacht an einen gut vermarktbaren Ort deutlich. 2. Innert kürzester Zeit erkennt Hindenburg die Chance zur Selbstvermarktung und beginnt eine ungerechtfertigte und schamlose Selbstinszenierung als „Held von Tannenberg“. 3. Die von Hindenburg in seinen Äußerungen oft propagierten soldatischen Tugenden, wie Loyalität tritt er, wenn es ihm Nutzen verspricht, mit den Füßen. [1] Wolfram Pyta: Hindenburg - Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, München 2007 (im Folgenden zitiert als: Pyta: Hindenburg) [2] Ebenda, S. 36 [3] General Lyncker war Chef des Militärkabinetts von Kaiser Wilhelm II., hatte also eine wichtige beratende Funktion direkt beim Kaiser und war zuständig für Personalangelegenheiten. [4] Pyta: Hindenburg, S. 36 [5] Pyta: Hindenburg, S. 38 [6] Im Dokumentarfilm: Wie konnte es dazu kommen? Hindenburg, Hitler und die nationalsozialistische Diktatur, Berchtesgaden 2026 [7] ebenda [8] ebenda [9] ebenda |
Paul_von_Hindenburg 1914 (Foto: Nicola Perscheid) Die zaristische russische Armee wurde schnell mobilisiert, das kaiserliche Heer konnte deren tiefes Vordringen auf deutsches Territorium nicht verhindern und wich zurück. Daraufhin entließ Kaiser Wilhelm II. den kommandierenden General und Erich Ludendorff wurde beauftragt einen Schlachtplan auszuarbeiten. Ludendorff besaß jedoch nicht den dafür erforderlichen militärischen Rang. Daher wurde Hindenburg als Pseudo-Führungskraft doch reaktiviert. Foto: Paul von Hindenburg (links) und Erich Ludendorff (rechts) 1916 Die Schlacht fand weder bei Tannenberg statt (in Wirklichkeit mehrere Dutzend Kilometer östlich bei Allenstein und Ortelsburg), noch hatte Hindenburg etwas mit dem Ausgang derselben zu tun. Der deutsche Kriegsplan war nach Anfangserfolgen im September 1914 bereits gescheitert. Kaiser und Generalität gaben das in der Öffentlichkeit jedoch nicht zu. Daher wurde die Bedeutung des Erfolgs im Osten völlig überbewertet und Hindenburg zum großen Helden stilisiert - mit dramatischen Folgen für die weitere Geschichte Deutschlands. |





