Hindenburg ohne Erbarmen für die eigene Bevölkerung
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Im Laufe des Ersten Weltkrieges verschärfte sich die Not der deutschen Bevölkerung immer mehr: Während Hindenburg alle Kräfte für die Kriegsführung fokussierte, hungerten und froren Millionen Menschen in Deutschland. Vor allem der „Steckrübenwinter 1916/17“ ist sprichwörtlich: Lebensmittel waren drastisch rationiert und nach einer miserablen Kartoffelernte blieben den Menschen nur noch Steckrüben zum Essen. Während die Zivilbevölkerung bereits im November 1915 unter Rationierung und Hunger litt, gab Paul von Hindenburg in seinem Hauptquartier fürstliche Gelage und charakterisierte seine Situation mit dem Ausspruch „Der Krieg bekommt mir, wie eine Badereise.“[1] Für ihn war die Situation komfortabel, jedoch für die deutsche Bevölkerung wurde sie immer schlimmer: Die deutsche Wirtschaft war durch die Kriegsproduktion überfordert und die deutsche Verwaltung versagte dabei, die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu organisieren. Deutschland und seine wenigen Verbündeten konnten den Lebensmittelbedarf im Laufe des Jahres 1916 nicht mehr decken. Zudem verhinderte eine englische Seeblockade, dass Lebensmittel auf dem Seeweg nach Deutschland gelangten. Hindenburg-Programm fokussiert trotz der Not alles auf die Kriegsführung Die Not der Bevölkerung beeindruckte Paul von Hindenburg jedoch keineswegs: Statt Friedensverhandlungen zuzulassen, gipfelte seine Rücksichtslosigkeit gegenüber der Zivilbevölkerung in seinem „Hindenburg-Programm“ vom 31. August 1916. Dieses sah vor, alle Ressourcen in Deutschland auf die Kriegsführung zu fokussieren, um deutlich mehr Munition und Waffen produzieren zu können. Ein wörtliches Zitat aus dem Hindenburg-Programm belegt, wie menschenverachtend die Denkweise der Obersten Heeresleitung war: „Dem feindlichen Menschenmaterial gegenüber sind unsere Menschenvorräte beschränkt“ und weiter „Im Laufe des Krieges ist der Einfluß der Maschine immer mehr in den Vordergrund gerückt; die Bedeutung der lebenden Kräfte hat sich dagegen verringert; entscheidend ist nicht mehr allein der höhere Wert der Truppe, der nie hoch genug gestellt werden kann, sondern in steigendem Maße die Überlegenheit an Kanonen, Munition und Maschinengewehren. … Das ist bei den reicheren Mitteln, die unsere Feinde haben, nur möglich, wenn alles, was unser Land an Bodenschätzen birgt und was die Industrie und der Acker hergeben können, ausgenutzt wird lediglich für die Förderung des Krieges. “[2] Totaler Krieg, der keine Schranken kennt Prof. Dr. Wolfram Pyta, der Verfasser des wissenschaftlichen Standardwerkes zu Paul von Hindenburg[3], und Dr. Wolfgang Niess, Verfasser des zuletzt erschienenen umfassenden Werkes zu Hindenburg[4], sind sich einig, dass Paul von Hindenburg damit den ersten „totalen Krieg“ initiierte – ein Begriff, der erst später als Propaganda-Begriff durch den Nationalsozialisten Joseph Goebbels weithin bekannt wurde. Prof. Dr. Pyta führt aus: „Also insofern bedeutet das Sich-Einlassen auf die Idee des totalen Krieges und die gibt es ab 1915/16 unter der Verantwortung Hindenburgs, dass man keine Schranken anerkennt und dass man sich zum Herrn über alles aufwirft.“[5] Dr. Niess führt aus: „Im Jahr 1917 wurde der Name Hindenburg vor allem dafür verwendet, die letzten Reserven in der Bevölkerung für die Kriegführung zu mobilisieren. Alles, wirklich alles, wurde der Kriegsführung untergeordnet. Und wenn wir heute das Stichwort totaler Krieg vor allem mit Joseph Goebbels verbinden und mit der Rede im Sportpalast seinerzeit in Berlin, dann muss man deutlich sagen: Bereits im Ersten Weltkrieg ist ab 1917 von Hindenburg in ähnlicher Weise, wie es später Goebbels praktiziert hat, der totale Krieg praktiziert worden.“[6] Nach miserabler Kartoffelernte blieben nur noch die Steckrüben Die Umsetzung des sogenannten „Hindenburg-Programms“ verschärfte die Not und den Hunger der deutschen Zivilbevölkerung im Winter 1916/1917 über alle Maßen. Nachdem Getreideprodukte rationiert wurden und Fleisch- sowie Wurstwaren kaum verfügbar waren, stieg der Kartoffelverbrauch. Im verregneten Herbst 1916 wurde die Kartoffelernte durch eine Kartoffelfäule auf nahezu die Hälfte reduziert. Daraufhin hatten weite Teilen der deutschen Zivilbevölkerung als nahezu einziges Nahrungsmittel nur noch die Steckrübe. Dieser Winter wird daher „Steckrübenwinter“, „Kohlrübenwinter“ und „Hungerwinter“ genannt. Kälteeinbruch Anfang 1917 verstärkt das Leid Ein dramatischer Kälteeinbruch zu Jahresbeginn 1917 verschlimmerte die Lage der Zivilbevölkerung weiter: Im Januar und Februar des Jahres waren die durchschnittlichen Temperaturen z. T. um über fünf Grad Celsius niedriger als in den Jahren zuvor. Da infolge der Kriegsproduktion auch der wichtigste Heizstoff Kohle kaum mehr verfügbar war, konnten große Teile der Bevölkerung ihre Wohnungen nicht mehr beheizen. Dadurch, dass Hindenburg den Krieg fortgesetzt und dann auch noch den „totalen Krieg“ umgesetzt hat, verschlimmerte sich die Lage der Bevölkerung immer mehr: Die durch die Mangelsituation geschwächte deutsche Zivilbevölkerung wurde zudem Opfer der ab Anfang 1918 grassierenden Spanischen Grippe. Hunderttausende Menschen starben an Folgen der Unterernährung 700.000 bis 800.000 Menschen starben bis 1918 an den Folgen von Unterernährung. Hindenburg hat durch seine erfolglose und sinnlose Fortsetzung des nicht mehr gewinnbaren Krieges einen Großteil der deutschen zivilen Opfer zu verantworten. Quellen: [1] November 1915, in Paul Goldmann: Gespräche mit Hindenburg. Berlin 1916., S.39 [2] Reichskriegsministerium: „Der Weltkrieg“, Bd. 11, S. 32ff sowie Deutsches Historisches Institut, „Der Hindenburgplan“ (1916), https://germanhistorydocs.org/de/das-wilhelminische-kaiserreich-und-der-erste-weltkrieg-1890-1918/der-hindenburgplan-1916 & https://ghdi.ghi-dc.org/sub_document.cfm?document_id=934&language=german [3] Wolfram Pyta: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, München 2007 [4] Wolfgang Niess: Schicksalsjahr 1925. Als Hindenburg Präsident wurde. München 2025 [5] Interview mit Prof. Dr. Pyta am 24. Juli 2025 [6] Interview Dr. Wolfgang Niess am 29. September 2025 |
1914: Anstehen nach Brot in Deutschland (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R00012 / CC-BY-SA 3.0) Bezugsmarke für 40g (!) Brot in Bayern während des 1. Weltkrieges
Paul von Hindenburg beging nicht nur Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung anderer Staaten, sondern nahm auch erbarmunslos den Tod hunderttausender deutscher Zivilisten in Kauf, um seinen aussichtslosen Krieg fortsetzen zu können. |





