1918/1919 Hindenburg verlangt Waffenstillstand, verbreitet aber die Dolchstoßlüge
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Bereits in der Phase, als die erste deutsche Demokratie entstand, wird durch Paul von Hindenburg mit der „Dolchstoßlüge“ der Boden bereitet, um die Weimarer Republik zu zerstören. Ein Blick darauf, wie Paul von Hindenburg in den letzten Kriegswochen agiert und unmittelbar nach Kriegsende Lügen in die Welt setzt, offenbart eine fatale Strategie. Obwohl sie dies später anders behauptet haben, war die Oberste Heeresleitung (OHL) mit Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff spätestens Anfang Oktober 1918 in einer regelrechten Panikstimmung. Paul von Hindenburg schrieb am 3. Oktober 1918 an Reichskanzler Max von Baden: „Infolge des Zusammenbruchs der mazedonischen Front, der dadurch notwendig gewordenen Schwächung unserer Westreserven und infolge der Unmöglichkeit, die in den Schlachten der letzten Tage eingetretenen sehr erheblichen Verluste zu ergänzen, besteht nach menschlichem Ermessen keine Aussicht mehr, dem Feinde den Frieden aufzuzwingen. Der Gegner seinerseits führt ständig neue, frische Reserven in die Schlacht. Noch steht das deutsche Heer festgefügt und wehrt siegreich alle Angriffe ab. Die Lage verschärft sich aber täglich und kann die O.H.L. zu schwerwiegenden Entschlüssen zwingen. Unter diesen Umständen ist es geboten, den Kampf abzubrechen, um dem deutschen Volke und seinen Verbündeten nutzlose Opfer zu ersparen.“ (1) Alleine dieses Schriftstück belegt Hindenburgs panische Einschätzung. Ihm war klar, dass der Krieg verloren war – auch wenn noch keine fremden Truppen auf deutsches Gebiet vorgedrungen waren: Im Sommer 1918 hatten die Alliierten eine erfolgreiche Gegenoffensive gestartet und im September die „Siegfriedlinie“ durchbrochen, so dass die Westgrenze des Reichs offenstand. Hindenburg forderte von der politischen Führung des Reichs am 29.9., unverzüglich einen Waffenstillstand zu schließen und Friedensverhandlungen aufzunehmen. Sich selbst vor der Verantwortung drückend, schob er die Zuständigkeit für die Waffenstillstandsverhandlungen an die Reichsregierung. Am 8. November 1918 unterzeichneten die Kriegsparteien eine für Deutschland schmerzlichen Waffenstillstandsvereinbarung. Danach musste Paul von Hindenburg aufgrund seiner Rolle als Chef der Obersten Heeresleitung im November 1919 vor dem Untersuchungsausschuss der Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung, welcher die „Schuldfragen des Weltkrieges“ untersuchte, aussagen. Seine Behauptungen sind in einem so unglaublichen Maße unwahr und vor dem Hintergrund seiner eigenen früheren Aussagen (siehe oben: Paul Hindenburg an Max von Baden) und den historischen Fakten derart infam, dass sich ein längeres Zitat seiner Behauptungen lohnt. Insbesondere ist interessant, dass der Eklat sich ereignete, nachdem der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses eine Frage zu dem durch Paul von Hindenburg zu verantwortenden Kriegsverbrechen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges gestellt hatte. Wörtlich fragte der Vorsitzende: „Von welchem Zeitpunkt an hielt die Oberste Heeresleitung die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges am 1. Februar 1917 für unaufschiebbar, und aus welchen Gründen?“ Paul von Hindenburg antwortete unter Eid mit einer un¬fassbar dreisten Verdrehung der Wahrheit: „… Aber trotz der ungeheuren Ansprüche an Truppen und Führung, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes konnten wir den ungleichen Kampf zu einem günstigen Ende führen, wenn die geschlossene und einheitliche Zusammenarbeit von Heer und Heimat eingetreten wäre … Doch was geschah nun? Während sich beim Feinde trotz seiner Überlegenheit an lebendem und totem Material alle Parteien, alle Schichten der Bevölkerung in dem Willen zum Siege immer fester zusammenschlossen, und zwar umso mehr, je schwieriger ihre Lage wurde, machten sich bei uns, wo dieser Zusammenschluss bei unserer Unterlegenheit viel notwendiger war, Parteiinteressen breit …“ (2) Obwohl er wegen seiner unkorrekten Behauptungen vom Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses immer wieder unterbrochen und ermahnt wurde, führte er seine Unwahrheiten weiter aus: „- und diese Umstände führten sehr bald zu einer Spaltung und Lockerung des Siegeswillens“ (3) und weiter „… Als wir unser Amt übernahmen, stellten wir der Reichleitung eine Reihe von Aufgaben, die den Zweck hatten, alle nationalen Kräfte zur schnellen und günstigen Kriegsentscheidung zusammenzufassen … Was aber schließlich, zum Teil wieder durch Einwirkung der Parteien, aus unseren Anträgen geworden ist, ist bekannt. Ich wollte kraftvolle und freudige Mitarbeit, und bekam Versagen und Schwäche. “ (4) Und als ob damit der dreisten Lügen nicht genug gewesen wäre, setzte er mit einer weiteren Unwahrheit dem Ganzen eine folgenschwere Krone auf. Paul von Hindenburg behauptete: „Ein englischer General sagte mit Recht: ‚Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden‘“ (5), womit Hindenburg der „Heimat“, d.h. den Zivilisten und Parteien, die Schuld an der Niederlage gab und damit vom eigenen militärischen Versagen ablenkte. Vor dem Hintergrund der historischen Fakten darf bei dieser neuerlichen Inszenierung Paul von Hindenburgs eigentlich nicht einmal nur von „Dolchstoßlegende“ gesprochen werden – wie es jahrzehntelang in den Geschichtsbüchern stand. Es kann zutreffend nur als Dolchstoßlüge des Paul von Hindenburg bezeichnet werden! Eine aus der Dolchstoßlüge und ihrer großen Bedeutung für die Destabilisierung und schließlich Zerstörung der Weimarer Republik zu ziehende weitere wichtige Lehre ist: Nur durch eine vollständige und systematische Aufarbeitung und Offenlegung der tatsächlichen historischen Vorgänge und dem Entgegentreten gegen Verschwörungstheorien, Verdrehungen und Lügen bzgl. der Geschichte können wir unsere Demokratie schützen und verhindern, dass anti-demokratische Kräfte erneut Erfolg haben. Quellen: (1) Hindenburg an Reichskanzler Max von Baden, (03. Oktober 1918), abgedruckt in Herbert Michaelis und Ernst Schraepler, Hrsg., Ursachen und Folgen: vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart; eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte. 29 Bde. Berlin: Dokumenten-Verlag, 1959-1979, Bd. 2, S. 231f (2) Bericht über die öffentlichen Verhandlungen des Untersuchungsausschusses der Verfassungsgebenden Nationalversammlung vom 18. November 1919, S. 729f (3) Ebenda, S. 730 (4) Ebenda, S. 731 (5) Ebenda
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Nachdem sie mit Intrigen und Erpressung Chefs der Obersten Heeresleitung wurden und militärisch versagten, übernahmen Paul von Hindenburg (links) und Erich Ludendorff (rechts) trotz ihres militärischen Versagens keine Verantwortung. Im Gegenteil: Hindenburg verbreitete die Dolchstoßlüge und schob die Verantwortung den Parteien zu. Als Hindenburg vor dem Untersuchungsausschuß der Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung aussagen musste, sagte er nachweisbar mehrfach die Unwahrheit:
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